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Zeughaus

Das Lehrrevier "Am Jagdschloss Kranichstein"

Das Lehrrevier des Landesjagdverbandes Hessen besteht seit September 1972. Es wurde unter seinem Präsidenten Werner Possmann gegründet, um den hessischen Jägern eine Möglichkeit zur Information und Fortbildung zu schaffen. Es bot sich an, das Lehrrevier mit dem historischen Jagdschloss Kranichstein – Inbegriff hessischer Jägertradition seit Jahrhunderten – zu verbinden. Die Forstverwaltung des Landes Hessen stellte einen 267 ha großen Teil der Regiejagd des Kranichsteiner Forstes am Stadtrand von Darmstadt zur Verfügung. Die Aufbauarbeiten und Leitung des Lehrreviers übernahm 1972 Wildmeister Günter Claussen, er wechselte dann zum 1. Juli 1983 in das W.u.H.-Versuchs- und Lehrrevier Lanze/Niedersachsen. Nachfolger wurde ab 1. Juli 1983 Wildmeister Artur Amann, der das Lehrrevier bis 2006 betreute. Seit 2007 wird das Aus- und Fortbildungszentrum von Revierjagdmeister Roscher geleitet.

Die Ausbildung der Jägerschaft zu fördern und zu verbessern, ist ein Hauptanliegen der Landesjagdverbände. Wer wollte dem widersprechen, in einer Zeit voller Gegensätze und Angriffe auf Jagd und Wild? Kranichstein ist heute mit Sicherheit nicht mehr zu vergleichen mit den Aufbauarbeiten des Lehrreviers durch Wildmeister Günter Claussen. Wer zu damaliger Zeit das neu eingerichtete Lehrrevier besucht hat, wird es heute nicht wiedererkennen. Zuvieles hat sich hier "zwangsläufig", ohne Zutun der Lehrrevierleiter, zu Ungunsten des Wildes im Ballungsraum Darmstadt verändert. Wo in den 70-er Jahren noch Schwarzwild und Rehwild erfolgreich bejagt worden sind, ist der Boden inzwischen durch die entstandene Trabantenstadt Kranichstein bis zum Waldrand hin fast restlos versiegelt. Von den 267 ha Reviergröße sind heute nur noch ca. 220 ha übrig geblieben.

Und trotzdem unterhält der LJV Hessen dieses "Kranichstein" als Lehrrevier. Zu Recht oder zu Unrecht? Ein abgelegenes Revier als Lehrrevier aufzubauen, zu unterhalten und "Wildtierhege" zu betreiben, ist sicherlich einfacher als ein Großstadtrevier mit all seinen Unannehmlichkeiten.

Lehrsaal

 

Ausbildungszentrum "Zeughaus"

Für den Lehrbetrieb mietete der Landesjagdverband im Zeughaus einen Lehrsaal und eine Lehrwerkstatt. Lehrsammlungen – Trittsiegel, Parasiten, Losung, Gestüber, Gewölle, Embryo-Früchte, Lehrfilme, etc. – stehen den Ausbildern/Lehrgangsteilnehmern zur Verfügung. Es werden Lehrgänge für Raubwildbejagung und Fallenbau und Jagdaufseherlehrgänge abgehalten. Hinzu kommen die Lehrgänge für Niederwildjäger, Jagd- und Naturschutz, Lehrgänge für Ausbilder und Hundeführer, nicht zuletzt die zahlreichen Führungen durch das Lehrrevier. Die Lehrwerkstatt ist hervorragend eingerichtet. Die  gute Werkstatteinrichtung erlaubt es, dass zehn Lehrgangsteilnehmer an einem Tag ohne Mühe z.B. fünf Kastenfallen fertigstellen.

Hinter dem Zeughaus befindet sich der "Fallensteig" und die "Lehrfasanerie". In einer Mustervoliere werden verschiedene Jagdfasanenarten und Rebhühner gehalten.

   Fallen

Ziel ist die Ausbildung der Jägerschaft in Bezug auf Haltung und Aufzucht von Wildgeflügel, Naturbrut, Abgabe einer begrenzten Anzahl von Zuchttieren bzw. Bruteiern. Hierzu werden spezielle Lehrgänge für Niederwildjäger in der Aufzuchtzeit Mai/Juni abgehalten.

Das Lehrrevier

In dem 189 ha großen Waldteil des Lehrreviers kommen an Schalenwildarten Dam-, Schwarz- und Rehwild vor. Der Niederwildbesatz ist seit Jahren - trotz Großstadtnähe - stabil bis hoch, dies gilt besonders für den Hasenbesatz. Die Fuchsstrecke beläuft sich seit Jahren auf 10-14 Füchse je 100 ha!

"Ein Tag in Kranichstein" sieht nach Anmeldung beim LJV etwa so aus: Die Besuchergruppen treffen gewöhnlich gegen 9:00 Uhr ein. Nach einer kurzen Einführung in unserem Lehrsaal mit der großen Präparatesammlung beginnt die Führung stets hinter dem Zeughaus am Fallensteig und Lehrrevierfasanerie. Vorbei am Jagdschloss – Schlossteich – geht es dann zu Fuß ins Lehrrevier.

Für den Rundweg über 4 km und 30 Stationen benötigt man ca. 3 Stunden. Im Wald werden z.Zt. 15 Wildäsungsflächen in enger Zusammenarbeit mit der Firma Appel, Darmstadt, bewirtschaftet. Dabei handelt es sich durchweg um Versuchsflächen mit unterschiedlichen Mischungen (vorwiegend Dauergrünland bzw. Blumenwiesen), die durch Hinweistafeln besonders gekennzeichnet sind. Meist liegen diese Flächen entlang der Hauptwege, erfüllen aufgrund der starken Beunruhigung bis weit in die Nacht hinein zwar kaum den Zweck der Wildschadensminderung im Lehrrevier, sondern dienen eher dem Besucher, der sich so vor Ort die ihm zusagende Mischung ansehen und später im eigenen Revier aussähen kann. Für die Versuchsflächen wurden ungenutzte Holzlagerplätze ausgewählt und ackerfähig hergerichtet. Sie erstrecken sich über eine Gesamtlänge von über 750 lfm und sind im Durchschnitt etwa 10 m breit. Als Jagdschneisen erfüllen sie hier im Großstadtrevier kaum ihren Zweck, in Durchschnittsrevieren könnten sie diesbezüglich sicherlich weit besser genutzt werden. Hier gilt der Grundsatz: Jeden Quadratmeter als Äsungsfläche nutzen und Biotophege betreiben! Dies ist der beste Schutz für Baum- und Straucharten. Die Förderung der Krautschicht ist Naturschutz in der Praxis!

Lehrgehlz

Sicherlich finden sich im Lehrrevier jagdbetriebliche Einrichtungen wie Kanzeln, Ansitzleitern, Anstände, Schirme, Fütterungen, Futtersilos, Tränken, Schütten, Suhlen. Sie dienen aber dem normalen Jagdbetrieb im Lehrrevier und werden bei den Führungen am Rande erwähnt, wobei es bei den Hochsitzen mehr um die Sicherheit geht. Die Bauweise spielt eine untergeordnete Rolle. Schließlich hat jeder Jäger in seinem Revier "sein Modell" und glaubt, es sei unübertroffen. Die größte Wildäsungsfläche im Lehrrevier ist die "Schaubertswiese" mit einer Größe von 2,39 ha. Auf dieser verwilderten Waldwiese entstand in den 70-er Jahren die erste Wildäsungsfläche mit einem Wildackeranteil bis zu 0,75 ha.

Hochsitz

Heute beträgt der Wildackeranteil nur noch ca. 2000 qm und ist als Demonstrationsfläche mit Topinambur bestellt. Durch die umfangreichen Pflegemaßnahmen – zurückdrängen der Schilfpartien bis auf eine schmale Pufferzone zum Weg hin – entstand innerhalb weniger Jahre eine einzigartige Blumenwiese mit seltenen Pflanzen wie Knabenkraut, Wollgras, Blut- und Gilbweidrich, Sumpfstendelwurz, Sumpf-Herzblatt, Herbstzeitlose, um nur wenige zu nennen. Zusätzlich wurde am westlichen Rand ein Amphibienteich angelegt.

Wenn die Lehrgangsteilnehmer von der "Schaubertswiese" in den 37 ha großen Feldteil zwischen Bahnlinie und Stadtrand gelangen, haben sie Einblick auf eine 0,88 ha große Feldholzinsel. In ihr liegt ein Kunstbau, Fasanenschütten und ein angrenzender Niederwildacker.

Schaubertswiese

Als letzte Station auf dem Rundweg ist der Wildacker "Feldschneise" zu nennen. Von der Feldholzinsel hin zur Schilfzone, Topinamburparzelle, Ackerrandstreifen, Luzerneschlag, Dauerlupinenfeld sowie spezielle "Wildgeflügelmischungen" findet der Niederwildheger alles, was er in seinem Revier später in die Praxis umsetzen kann. Zum Wald hin liegt das Vogelschutz-Lehrgehölz mit mehr als 50 verschiedenen Baum- und Straucharten, sicherlich neben der Lehrfasanerie die Hauptattraktion des Lehrreviers. Wenn die Besuchergruppen nach ca. 3 Stunden wieder am Zeughaus ankommen, haben sie sehr viel erlebt und gesehen.

Nach einer gemütlichen Mittagspause im Biergarten der Gaststätte "Zum Zeughaus" eröffnen sich den Besuchergruppen weitere Möglichkeiten der jagdlichen Fortbildung, wie beispielsweise die Besichtigung des Jagdschlosses Kranichstein, des Museums "Bioversum" oder des Jagdkundlichen Lehrpfades, welcher über das Wildschutzgebiet Kranichstein in das Lehrrevier zurückläuft.